Von drauß‘ vom Gleise komm‘ ich her …


Montag-Morgen der erste Schnee war über Nacht gefallen und das Fünfseenland war in Zucker gepackt. Diese ganz besondere Stimmung nutze das Kinderhaus (mit liebevoller Unterstützung einiger Eltern) zu einem vorweihnachtlichen Ausflug. Dick eingepackt in warme Winterkleidung, ging es per Bus zum Hechendorfer Bahnhof. Nachdem sich alle durch eine Türe in die S-Bahn gequetscht hatten, wurden die ca. 20 Stationen mit Brotzeit und Quatsch machen überbrückt. Das Abteil füllte sich Richtung München merklich und spukte alle Berufspendler auf der Stammstrecke wieder aus. Endlich am Ostbahnhof angekommen ging die verzweifelte Suche nach der alten Lokomotive los – gemeinsam mit weiteren erwartungsvollen Kindergruppen und Interessierten, die ebenso mitfahren wollten. Auf dem Ticket wurde bewusst kein Gleis für den Sonderzug angegeben, so hieß es in der klirrenden Kälte gespannt abzuwarten.

TSCH-TSCH-TSCH … mit lautem Stöhnen hörte man plötzlich die alte Dampflok aus der Ferne, sich unverkennbar ankündigend mit einer schwarze Rauchblase, die aus dem heißen Kohlekessel weit emporstieg. Gleich der 1. Wagon war für uns reserviert … mollige Wärme empfing die Montessori-Gruppe und die roten Samtbezüge der genialen Hüpf-Sitzbänke fanden große Freude bei den Kleinsten. Los ging die nostalgische Fahrt in der einmaligen Eisenbahn des bayrischen Eisenbahnmuseums. Der Qualm, der am Fenster vorbeizog und das sonore Dahinpendeln der Zugachsen wurden zur Normalität. Alle verstummten und genossen das vorbeiziehende Winterwonderland in dem historischen Kulturgut.

«HO-HO-HO!» – huch hatte jemand den Mann mit seinem schlohweißen Bart und dem roten Mantel kommen hören? «sitzen hier die artigen Kinder» – die ganze Kinderschar begrüßte mit wohlklingendem Nikolauslied den Mann von stattlicher Statur und goldenem Stab. Ganz gebannt blickten alle auf die Lippen hinter dem Rauschebart und tatsächlich, der Nikolaus hatte für jeden eine Leckerei dabei. Die Rückfahrt verging wie im Zuge, noch ein Abschlussbild der ganzen Meute mit heiligem Mann vor betagter Bahn und ab in den modernen Zug des MVV. Sichtlich erschöpft sanken alle in die Sitze, die Lider wurden schwer und es wurde des tollen Events sinniert, bis es in Hechendorf noch einmal alle Kräfte zu bündeln galt, um die letzte Etappe Richtung Montessori-Inning oder direkt nach Hause zu meistern. Ausflüge sind so wundervoll … wir freuen uns schon auf nächstes Jahr, ganz doll!

Wanja Fuhrmann